a triple AH! revisited

26.01.12, 10:33:54 by oegyr

die frage der nähe stellt sich eigentlich erst im virtuellen. in den close-up-clones der net-clits. man kann immer noch näher ran, tiefer rein. lupende loops der pretty-private-pixel. ein ausschnitt von elisa oder bett:

schon gelupte madonna, wie ein mädchen von michelangelo, ein engelnagel, in zarthart schon erkennbare kreuzquadrate zerlegt, um an den himmel der sextinischen kappelle als gitternetzriesin übertragen zu werden, überlebens-groß, damit sie von ganz tief unten gerade als lebendige erschiene. the melody. i can hear the melody. listen to my harmony. out there sind die letzten quadraturen der kreise, deren mitte ich nicht bin ... aber was wäre dein ernst in diesen zweifelnden zwischen-den-lippen? mit der monsterhaften vergrößerung der nähe gewinnt der abstand die pohl-position: schön feucht. das glanzlicht am unteren lippensaum, können wir das größer haben? klar! klick!

die zoom-zombies werden sichtbarer, das maschinelle der nähe, wie sich die lippen verschachtelt nähern dem kargen küsschen, der letzten vergrößerung, die heißt ERKENNTNIS. dem ereignis haut, dem fleisch, das versteckt ist im licht. plötzlich wird das artefuckt sichtbar, verschleiert noch bisschen vom jörgpeg-komprimierten universum:

dass ich immer näher wollte diesen lippen. dass ich mich nicht zierte und nicht fürchten musste, als pandora ihre büxe abstreifte und auftat den kanal, durch den ich kam, sah und kommen werde. wie ein grab am richtigen platz, mit richtigen props und pomps von richtigen mumdonnas. der treppenwitz geneigter pixel-geschichten. zum rechteck meiner zeilenzelle weinend, zum rechtgewinkel, die zärtlichkeit der kurven. so bist du, schöne, der letzte rest meiner glücksgliedvergrößerung:

darf ich noch maul-geworfen näher kriechen, bis du dich auflöst in geilste schärfe der unschärfe? darf ich hinein in das bild von dir, lisamadonna? darf ich hoffen bei allem, das ich weiß? kann meine furt und furcht an deinen körpergrenzen durch sie dringen, hinein in dich, noch tiefer, noch inniger, zärtlicher? darf mein drängen an dich ein eindringen sein? oder mindest das quadrat werden, das berechenbare kalkül der algorithmen meiner drüsendramen? ein pix wie letzter kuss im fünften akt:

und rechnen, rechnen damit ...

smoking görl. doll macht's doller. die reitmaschine durchs tal zwischen zwei bergen hindurch. frau-hoch. frau hölle. auf dem flokkati-ferrari, wenn der sie puschelte an den söhlen, ging sie und kniete dann ab. machte sich breit und sagte und sprach:

ja!
yes!
oui!
si!
da!

wie auf eine mutterhaube mit vielen p.s. nach jedem endbrief. noch immer nachrauchen, nachdürsten und sich nachzügeln. es ist scheu, das da so sitzen, breitgebeint. es darf nicht rumlaufen und auf und uppen.

es muss hocken, still wie ein reh, befürchtend seine vernichtung.

der weißpelz der engelsflügel, dies keksig flauschige an ihnen, zum krach-anbeißen, dörrt jetzt bisschen im nebel. wird irokesenschnittmäßig gel-starr. und wird mit jeder bewegung puterroter. man sieht's zitzen und ganz vorsichtig zittern. und dann pumpt es einmal, bäumt, zweimal, in richtung duschvorhang.

von hinten behirscht strecken sie gebeingebreitet die fünf gabeln so geschickt geschlecht durchs mäusegitter, dass sie die netzfasern umklammern wie so eine schwert-kreuz-treue schwurgeste, die da hieß und jetzt heißt: ja! oh ja!

oh, das gerüst der sehnsucht. wie es steht wie eine eins-ruine, die pfeiler aufgereckt und balken nicht gekannt, wenn beide beile geilen.

dann ist entelechie.

nur noch einmal in ihr gesicht, so weite landschaft. pocahontas! noch einmal hier so süße stühle rücken. komm noch weiter vor mit DEINEM DIAMANT! ich will die heilige und nicht die nutte, will krönung-light-gesessel, hochzeit statt gewand aus weißem schmand.

oh nein, schrie sie schon ganz verzückt, oh nein, nicht so! nicht tiefer und nicht höher auf den punkt! ein bisschen nur, ein bisschen, nicht biss bis auf den punkt. nicht wild, das fliehen muss. kein schuss auf den genuss der haut an haut. kein blutig laken, das nicht wie gespenster wäre, kein haarausfall, dem untergang erschiene!

oh nein, oh bitte nicht, oh nein!

und weil's sich reimt auch, schoss ich mich dir so sirr und sehnend ein.

spätjanuarnacht 6 uhr früh im felde

22.01.12, 06:43:39 by oegyr

schlaflos in den tagen in k.
auf dem balkon stieren in das
unnahbare der nacht
wo sie schweigt morgen
noch schnarchend in den stiefeln
die übers schlachtfeld schlichen
von damals den zeiten ohne



punkt und komatös das versickern
der synkopen im gleichmaß des
nachtzollstocks im tv der einzige anker
gezappt geschaut gecancelt ohnehin
die programmatischen entwürfe
jetzt einen winter mehr oder
frühlingherbstsommer weniger
macht den ununterscheidbar
unerfüllten unter-
schied eines morgens nach nacht
nicht in den stillen tagen in k.
aus.

kannsein

20.01.12, 01:10:04 by oegyr

"you keep pushing pushing" (charles bukowski)

dass das dasein allenfalls ein kannsein,
möglichkeit statt faktotum wäre,
sagt jedes gedicht
irgendwo.

selbst wenn es hochtönt, die
hallelujahs feiert, zeigt es,
wenn es gut ist, auch seinen
abraum,

den müll, das klo, die gosse, in der es
embryonte, fötus der silbe
zur wortausgeburt wurde, wuchs
sich aus zum vers



und der strophe, die schon
dasteht wie immer dies' große
empire der dichtung, ja,
weltentwurf!

das gedicht ist stadt, land, fluss,
das alte spiel, und der entwurf,
der seinen auswurfscharakter,
das husten, den schleim, zähen,

nicht verbirgt, zeigt!
ein ausatemstöhnen
über den dämpfen der liquorgläser,
dem rausch der kippe

zwischen den lippen:
hat man ihn da, während beide hände
am glas tippnippen, flüssigflüstert man unver-
ständlich stehend dazwischen.

und was du siehst, dichter,
was du hörst, was du fühlst auf der haut,
dem kannst du nicht entrinnen:
es kann sein, you quittest this job.


Matt Dillon als Henry Chinaski in der Schluss-Sequenz aus Bent Hamers "Factotum"

Das Kentern

18.01.12, 06:52:54 by oegyr

Mein Vater aber, diplomierter Schiffbau-Ingenieur, sagte und sprach heute beim Nicht-Tanz-Tee, sondern Kaffee-nachmittäglich (noch gerade nicht "blaue Stunde") zum fast 50. (weil erst ach, und pfirsichen) Geburtstag seines Sohnes: Das gekenterte Schiff aber liege auf seiner Steuerbordseite, während doch die Havarie, wie Fernsehbilder der öffentlich-rechtlichen wie privaten Fernsehanstalten zeigten, auf der Backbordseite sei, durch das Kentern nunmehr entblößt - schlimme Risse über mehr als drei Abteilungen, also titanicsch in jedem Fall Sinkgrund. Warum aber, fragt er sich und uns, die Familie, zumal seinen physikalisch studierten Sohn, während seine Frau und meine Mutter wie auch seine Tochter und meine nicht minder beredte Schwester nur halb zuhören, gleichwohl Gesprächsfragmente entstellt aufnehmend antworten: Warum aber sei das Schiff, "der Zossen", nach Steuerbord gekentert? Auferstaunen! Ja, wird gesagt und nachgefragt, interessante Frage. Der schiffbau- und daher auch wrackbau-versierte Ingenieur vermutet, dass entweder (a) das Schiff nach der Havarie 180 Grad hafenwärts gedreht habe, bevor es kenterte, oder aber (b) dass der Instabilität durch das Leck backbords vielleicht zu schnell und zu unkontrolliert mit Flutung von Ballasttanks steuerbords entgegengesteuert wurde und dass also so die vermutete Rettung zum Scheitern führte, weil "schwappende Wassermassen" das Wrack nach Steuerbord kentern ließen. Wie dem auch immer sei, jetzt ist jedenfalls fatales Kentern zu verzeichnen - und zwar nach Steuerbord.



Ich merke noch kurz an, dass "Kentern", gleich auf welche Seite, sich auf "Entern" reime, was aber niemand versteht. Fakt ist, dass die Chose nach Steuerbord umfällig wurde, während die Havarie backbords erfolgte. Mein Vater, diplomierter Schiffbau-Ingenieur, seit 13 Jahren in Rente, fragt sich indes, warum sich keiner der Reporter - "deine Kollegen" - solche Gedanken wie er als diplomierter Schiffbau-Ingenieur zwischen links und rechts mache. Ich antworte, wir "Reporter" seien Ballasttanks, die "die Mitte" stabilisieren, insofern unerfahren bei Kenterungen (nicht nur im Text).

AS.umfeld.98

18.01.12, 04:18:02 by oegyr

snapshots von "küh|n|en in halbtrauer",
die bückware meines superhelden ab januar.82,
barg|schauer|feldern abgeschaut
und -gelauscht dem "wiehern des gehirntiers".

"W.I.E.H!" - der frühe akronym.rap eines,
der wusste, W.ie I.ch E.uch H.asse:
die bilder, die der TEXT, diese
gewalt|tät|ige metapher

selbst auf "100.tausend zetteln"
nicht mehr los wird im kasten dieser
camera.obscura, dem eng|t|raum der
[trotz alledem liebeleiernden] wahr.nehmung.

nur von den verlorenen wie er
nicht verloren, sondern stöbernd
in einem der gelben bände wiedergefunden
ein schat[z|ten]bergwerk [von fallun],

harrt er der drohenden hundert
wie ich der falschen fuff|ver|zich|t.
und krakatau fällt. und alice,
die treue tippse[ele], füttert


arno's & alice's cottage: black [hairy] c[a|un]t s[p]itting on chair [quelle]

die streunenden katzen

18.1.[1914|2012]


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