tag der republik

07.10.12, 05:39:25 by oegyr
leer gefegte hüte auf der tribüne,
wodka gorbatschow im glas
mehr halbleer als halbvoll.

am vorabend daher stilles wasserlassen
in das stille wasser
der förde - tiefes gedenken

an mein vaterland, kampfplatz für den frieden,
waldbad freundschaft,
warnemünde im januar nullvier,

rostock ha(l)bacht morgens nach nacht mit e.,
greifswald ab neun
und die schuppige haut der forellen

auf den fried-

und abfallhöfen
der geschichte.

und an die honeckerbild-
beuteware in der wg-küche,
neunzig, neben dem genossen

s. über dem kühlschrank:
dann schokoküsse
aus grabow im foron.

an den am türknauf baumelnden
schwarzen bh
der frau in der kreuzberger wohnung
mit mauerblickbalkon, nackter frühling 87.

wie mit welkem laub vollgefegt die hütte
mit erinnerung an
morgenerrötende untergänge

wegwort

05.10.12, 05:02:53 by oegyr
nach den wogen
der wellung nach dem
getränk der
getränkten und
gekränkten
plötzliche stille
im ohr des
wirbelsturms
blick durch
die wolken
in das all
lauschend
gefallener blätter

grüne jacke

03.10.12, 06:22:48 by oegyr
"auf die bühne, klavki!"
dieser ruf immer noch,
die grüne jacke,
der cordflausch hernach, braun,
den der sohn meiner reinigung
jetzt trägt -
oder auch nicht, längst
abgelegt das habit der toten dichter.

"wir sind weiterschreiber".
wir gehen hernach und
fuselig voran. wir sind
die feudelfreunde der verse,
sunkensüchtige kindbettfickbahre.

auf der bühne für morgen
jetzt ein leuchtendes K.

k_hansa48.jpg

grundgütiges erinnern,
am tag nach der einheit,
die heiner und meyer
das vaterland raubte, das
verbot zu dichten,

und so das dichten adelte.
heute, morgens, das pützchenfrüchtchen im haus,
am M wie mir die sterbende reckung,
versteifung auf dem vers:
slam!

reden wir doch mal über das f

nochmal unter leute, in die laute,
in das läuten der choralcharaktere:
lautleise dies angezettelte,
auf wirkung geplante,
poem, das
ist, was
es
... wird.

(memo klavki & me @ WehGeh)

septemberränder: 30

30.09.12, 22:51:03 by oegyr
("Der dieses Liedlein hat gemacht / Von neuem hat gesungen, / Der hat gar oft den Tod betracht / Und letztlich mit ihm g'rungen. / Liegt jetzt im Hohl / Es tut ihm wohl / Tief in der Erd verborgen" - Anonymus, 17. Jh.)

geh letztmals barfüßig auf den balkon,
schau an, wo mond hinweht, heut schwammumwölkt.
der sommer ging, herbst kam, und ich walk on
the line auf dachfirst, wo ein täubchen bölkt

recht heiser, spät sein letztes liebeslied.
ich sing es mit, auf füßen, die erkalten.
ein stöckelschuh der parzen mir noch blieb,
solch high-heels in sonetten zu verwalten,

den langen marsch durch institutionen
der strengen form am leichten fuß, der gänge
schwer und schwerer durch den sumpf, wo wohnen

nicht ich mehr, tauben nicht und tanzend musen.
la lune nur noch und ihre abgesänge,
die drücken sterbend mich an ihren busen.

septemberränder: 29

30.09.12, 21:46:49 by oegyr
("Das Leben schwind't / Wie Rauch im Wind, / Kein Fleisch mag ihm entrinnen, / Kein Gut noch Schatz / Beim Tod find't Platz: / Du mußt mit ihm von hinnen." - Anonymus, 17. Jh.)

nun neigt sich nieder, was in trunknem saft
noch eben sprudelte, auch nicht zuletzt
der quell des worts, das lange leer und matt
schon schien, von pfeilen, die gesandt, verletzt

sich selbst, und abgesunken in sein grab,
dess himmlisch moder es schon selbst aushob.
was musens kuss ihm auf die lippen gab,
blieb bleiche blutarmut zugleich wie tod.

woher nur diese sehnsucht wird genommen
schon jetzt und hier statt einst - zu früh? zu spät?
am falschen ort zur rechten zeit begonnen?

wo du indes den kreis betrittst der ränder,
ist gleich. du gehst, wohin dein weg vergeht
mit dir, der webt sich selbst die fesselbänder.

<< vorherige Seite :: nächste Seite >>


Mitglied bei

Phonecaster.de